Der Silverdale-Blog

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Mittwoch, Mai 27, 2015

Warum Macho?

Man kann den Artikel auch 1:1 auf Hunde übersetzen
Sie schmutzen, riechen und räumen nicht auf. Ihr Beitrag zur Fortpflanzung ist im Vergleich zur Rolle der Frauen minimal. Trotzdem gibt es wichtige Gründe für die Existenz des männlichen Geschlechts.
Von Werner Bartens
Es gibt immer wieder diese Momente im Leben einer Frau, in denen sie sich fragt, wozu Männer eigentlich gut sind. Sie riechen nach Schweiß, schnarchen und sogar für einfachste häusliche Tätigkeiten sind sie selten zu gebrauchen. Was die Frauen meistens nicht wahrhaben wollen: Während sie argwöhnisch Nasenhaare und Bauchansatz des Mannes an ihrer Seite betrachten, sollten sie sich darüber klar sein, dass sie gerade ein Prachtexemplar der Evolution vor sich haben, das durch sein unvergleichliches Äußeres, seinen betörenden Geruch und seine unwiderstehlichen Umgangsformen Hunderttausende Jahre Menschheitsgeschichte überstanden hat, ohne dass er oder seine Ahnen als genetisch nicht vermittelbar aussortiert worden wären.
So ähnlich sehen das auch Wissenschaftler um Matthew Gage von der University of East Anglia in Norwich, die sich gefragt haben, warum es eigentlich Männer gibt. Bei der Reproduktion der Gattung sind sie ja kaum dienlich, da nur die Hälfte der Menschheit - nämlich die Frauen - Kinder zur Welt bringt und die Herren lediglich ein paar Spermatozoen dazu beitragen. Die Antwort, die von den Forschern gerade im Fachmagazin Nature (online) gegeben wurde, ist ganz einfach: Die sexuelle Selektion - zu Darwins Zeiten nannte man den Vorgang "geschlechtliche Zuchtwahl" - zu der es nun mal all das pfauenhafte Getue, das Posieren, Flirten und die Tür aufhalten braucht, dient vor allem dazu, dass in einer Population die besten Anlagen zum Vorschein kommen.
Wenn die Männchen in Konkurrenz treten und sich in ausgefallenen Wettbewerben darin überbieten, wer der Attraktivste ist, und die Weibchen mit Bedacht ihre Wahl treffen, hat dies allein den Zweck, gesündere Nachkommen auf die Welt zu bringen und damit die Spezies vor dem Aussterben zu bewahren.
Sex und das Galama drumherum dienen also im großen Maßstab betrachtet nicht nur der Fortpflanzung, sondern vor allem der Gesunderhaltung der Art. "Die Auswahl der Geschlechter erklärt, warum sich diese faszinierende Vielfalt an Aussehen, Gerüchen und Geräuschen der Menschen entwickelt hat", sagt Biologe Gage, der die Studie geleitet hat. "Zur sexuellen Selektion gehört es nun mal, dass Männer konkurrieren, um sich reproduzieren zu können und die Frauen auswählen." Zwei Geschlechter gebe es vor allem deshalb, um diesen mächtigen evolutionären Prozess zu stimulieren, denn erst durch die Zurschaustellung der Unterschiede entscheide sich, wer seine Gene an die nächste Generation weitergeben dürfe.

Zwar gibt es in der Natur auch die Jungfernzeugung. Bei dieser Form der eingeschlechtlichen Fortpflanzung entstehen Nachkommen aus unbefruchteten Eizellen. Das Liebesleben der Milbe, des Wasserflohs, der Blumentopfschlange und des Fadenwurms sieht allerdings entsprechend fade aus. Bei höheren Säugetieren klappt die Parthenogenese bisher nicht, sie greifen daher zu anderen Mitteln. "Das Verhalten der Männer ist überwiegend als Bemühen zu verstehen, ihren Spermien die besten Aussichten zu verschaffen", sagt der Biologe Robin Baker, der in seinem Buch "Krieg der Spermien" den Kampf um die beste Keimzellkombination als einen der wichtigsten Antriebe des Daseins beschreibt. "Das Verhalten der Frauen ist hingegen überwiegend ein Bemühen, Einfluss darauf zu nehmen, welcher Mann mit seinen Spermien die besten Erfolgschancen haben soll."
Rivalen auszustechen und Partner zu erobern, bringt vor allem die guten Dinge zum Vorschein
Duftwasser, Diät, Detox und das ewige Was-soll-ich-nur-anziehen-Drama: Sex und Fortpflanzung "nehmen einen großen Teil unserer Zeit in Anspruch - nicht so sehr das praktische Handeln, aber das Denken und Reden darüber", schreibt Baker. Fast jeder einigermaßen strukturierte Vielzeller beschäftigt sich damit. Viel Mühe, aber der Ertrag ist mäßig, denn lediglich die Töchter sind ja in der Lage, Nachkommen auf die Welt zu bringen. "Warum sollte eine Spezies diesen überflüssigen Aufwand betreiben und überhaupt Söhne produzieren", fragt sich Gage. "Es gibt in der Natur schließlich genügend asexuelle Populationen, in denen alle Nachkommen eingeschlechtlich sind und sich fortpflanzen - und das ist auf den ersten Blick weitaus effektiver, um sich zu reproduzieren."
Die Antwort auf ihre Frage fanden die britischen Forscher nicht bei Bienen und Blumen, sondern bei Käfern. "Unsere Arbeit zeigt, welche Vorteile es hat, wenn Männer sich um die beste Position für die Fortpflanzung streiten", sagt Gage. "Auf diese Weise verbessert sich die genetische Gesundheit einer Population außerordentlich." Mittels sexueller Selektion werden schädliche Mutationen ausgefiltert, was der Stabilität der Art zugute kommt und sie vor dem Aussterben bewahrt.
Die Wissenschaftler hatten Mehlkäfer zehn Jahre lang im Labor untersucht und dabei festgestellt, dass jene Insektenpopulation am robustesten und gesündesten blieb, in der der heftigste Kampf darum tobte, wer sich fortpflanzen durfte. In einer Konstellation rangen 90 Männchen um die Gunst von zehn Weibchen. In anderen Gruppen gab es für jedes Männchen ein Weibchen - die Frauen hatten keine Auswahl, die Männer keine Konkurrenz. Sieben Jahre und mehr als 50 Käfer-Generationen später zeigte sich, dass die Populationen mit viel Konkurrenz und großer Auswahl gesünder war und länger lebte.
Die Evolution im Zeitraffer ergab sogar, dass diese Käfer selbst unter Inzucht-Bedingungen weniger vom Aussterben bedroht waren, weil sich weitaus weniger schädliche Mutationen ereigneten. Die auf Konkurrenz und Auswahl gegründeten Populationen überstanden 20 Generationen Inzucht. Im Vergleich dazu gingen die Käfer, die sich ohne Konkurrenz und Auswahl fortpflanzten, spätestens nach acht bis zehn Generationen Inzucht ein.
"Unsere Studien zeigen, dass die sexuelle Selektion für Populationen dringend notwendig ist", sagt Gage. "Dadurch werden negative genetische Veränderungen ausgemerzt, positive bleiben erhalten. Damit ein Individuum gut darin ist, Rivalen auszustechen und Partner anzuziehen, muss es in den meisten Dingen gut sein - und die sexuelle Selektion ist der Filter, der diese guten Dinge zum Vorschein bringt und die Population gesund erhält."
Sex bleibt also vor allem deshalb die dominante Form der Fortpflanzung, weil auf diese Weise die genetischen Vorteile am besten erhalten bleiben. Und dazu braucht es nun mal die Männer. Ohne Sex sammeln sich hingegen schädliche Mutationen an, und jede weitere dieser Veränderungen bringt das Ende der Art näher - während die anderen sich stabil vermehren. "Und wenn sie nicht gestorben sind, haben sie heute noch munter Sex", lautet Gages fideler Ausblick in die Zukunft der Reproduktion.

Machen Männer sich zum Affen, sobald sich eine Frau nähert, muss man angesichts dieser biologischen Konstanten nachsichtig sein. "Männliche Selbstdarstellung und Statusorientierung sind ein Ergebnis weiblicher Auswahlkriterien", sagt Verhaltensbiologe Karl Grammer. Einfacher ausgedrückt: Frauen haben die Männer zu dem gemacht, was sie heute sind.

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