Der Silverdale-Blog

Der Silverdale-Blog wird im Lauf der Zeit neuere und ältere kynologische Beiträge über unsere Rasse anbieten oder auf Veröffentlichungen dieser Art aufmerksam machen. Wir muten unseren Besuchern also das Lesen und die interaktive Diskussion zu und wollen auch insofern unserem Anspruch, „elitär“ zu sein, gerecht werden

Donnerstag, Januar 26, 2012

Out of Africa ...
Belegbare Kenntnisse zum historischen Hintergrund der Rasse, über ihre ursprüngliche Umwelt, ihre dortige gesellschaftliche Funktion und über ihr natürliches Erscheinungsbild und Verhalten gehören zu den Richtpunkten für unser züchterisches Engagement. Wichtig dabei sind die "Azawakh-Expeditionen", die ABIS ab 1992 bis zum Überhandnehmen des Al Kaida-Terrorismus 2008  jährlich durchgeführt hat. Die jüngsten und teilweise zusammenfassenden Ergebnisse kann man im Expeditionsbericht von 2007 nachlesen.      


Beobachtungsprotokoll der 17. Azawakh-Expedition 2007
 
Aufgezeichnet von Dr. Werner Röder und Corine Lundqvist -
Statistik und Graphiken von Elisabeth Naumann


Die 17. ABIS – Expedition mit 8 Teilnehmern aus den USA, Frankreich, Italien und Deutschland führte zwischen dem 17. und 30. Januar 2007 ab Niamey (Niger) durch die Region um Ouallam und Bani Bangou nach Anderamboukane (Mali), durch Landstriche des Wadi Assouagh bis Menaka , bei Ansongo über den Niger in Richtung Tin Akoff (Burkina Faso) und via Dori und Tera (Niger) zurück nach Niamey.
In den folgenden Aufzeichnungen sind 60 Azawakhs auf den Streckenabschnitten in Niger und Mali individuell erfaßt. Eine weitere Anzahl konnte umständehalber, das heißt aufgrund zu großer Distanzen bzw. bei ihrer Verfolgung der fahrenden Autokolonne oder nach Einbruch der Dunkelheit nicht im einzelnen protokolliert werden. Ebenso ist auf die Zählung erst kürzlich gefallener Würfe verzichtet worden, da dort nur Angaben zu Geschlecht und Fellzeichnung möglich gewesen wären. Die Gesamtzahl der angetroffenen Population ist mithin höher als das dem Protokoll zugrunde gelegte sample. Zu Aufzeichnungen für das nordöstliche Burkina Faso bin ich wegen der dort anstehenden Projektangelegenheiten leider nicht gekommen; die von Expeditionsteilnehmern bei Exkursionen in und um Tin Akoff derweilen angetroffenen Azawakhs erhöhen die Zahl jenseits des ausgewerteten Samples um ein weiteres.
Die Aufteilung der Hundehalter nach ethnischer Zugehörigkeit wurde nach dem Muster der bisherigen Protokolle beibehalten. Ihre Aussagekraft muß jedoch relativiert werden: Zum einen decken sich die Kennzeichen für eine Zuordnung (z.B. Bekleidung, Schmuck, Zelt- und Hüttenformen) nicht immer mit den für Tuareg , Peul oder Bella als jeweils typisch geltenden Merkmalen von Physiognomie und Hautfarbe. Bei allgemein fortschreitender Vermischung unter der Bevölkerung Westafrikas wird auch innerhalb der nomadischen Familienverbände die Einheitlichkeit des „eigentlichen“ ethnischen Hintergrunds ihrer einzelnen Mitglieder deutlich seltener, eine Tendenz, die durch das maternale Sippenprinzip der Tuareg begünstigt worden ist. In Hinblick auf unser Thema ist die gemeinsame Identität von Touareg, Bella und den in Frage kommenden Fraktionen der Peul als >Kel Tamaschek< ausschlaggebend: Zu ihren kollektiven Eigenheiten gehört die Haltung der Azawakh-Windhunde als Teil der gleichen Wirtschaftsweise. Wie die bisherigen Erhebungen zeigt auch die vorliegende Auswertung, daß signifikante Unterschiede zwischen den von verschiedenen pastoralen „Ethnien“ in den zentralen Savannen des Sahel gezüchteten Idis nicht feststellbar sind. Dies gilt auch für die Kategorie „Andere“; sie ist für das Protokoll gewählt worden, wenn im Einzelfall ethnische Indikatoren nicht erkennbar waren (etwa in dörflichen Ansiedlungen) oder die Begegnung mit den Hunden in „freier Wildbahn“ stattfand.
Die hier gezeigte prozentuale Verteilung der Ethnien steht nur bedingt im Zusammenhang mit ihrer überwiegenden oder dauernden Präsenz in bestimmten Teilen der Region, da letztere ja nicht flächendeckend erkundet werden konnte und, zum zweiten, die Mobilität der nomadischen Hirten hoch ist; sie sind je nach Jahreszeit sowie lokalen Weide- und Wasserangeboten in wechselnden Wanderungsgebieten – unabhängig von den Staatsgrenzen – anzutreffen. Dies wird auch im Vergleich mit den differierenden Zählungen bei den Expeditionen von 2006 und 2003 deutlich, die zum Teil durch die gleichen Großregionen wie diesmal führten: Tuareg 46 bzw. 30 Prozent; Peul 9 bzw.17 Prozent. Die jeweilig außergewöhnlich hohen Anteile von dörflichen Haussa (2006 = 29 Prozent) und nomadischen Bella (2003 = 45 Prozent) sind den unterschiedlichen Expeditionswegen (in Niger bzw. Burkina Faso) geschuldet.

Die Aufteilung der Geschlechter mit einem deutlich gestiegenen Anteil von 38 Prozent bei den Hündinnen (2006: 30 Prozent) weist auf den erneut positiven Verlauf der vergangenen Regenzeit mit ausreichenden Subsistenzmöglichkeiten für die Halter und einen Nachholbedarf bei der Reproduktion des Hundebestands nach zurückliegenden Krisenjahren hin. Dem entspricht die erstaunlich hohe Anzahl der vorgefundenen Würfe mit vergleichsweise zahlreichen belassenen Welpen. Die Beobachtungen der bisherigen ABIS-Expeditionen weisen in den letzt genannten Punkten ökonomisch bedingte Schwankungen auf. So zählten wir 2003 - nach einer Krisenphase - lediglich einen weiblichen Anteil von 25 Prozent, 2006 schon wieder von 30 Prozent.
Für das immer noch kraftvolle Erneuerungspotential der Azawakhpopulation legt auch die aktuelle Altersstruktur Zeugnis ab. Sie besteht derzeit fast zur Hälfte aus dem Nachwuchs der beiden letzten Generationen (bei einer vermuteten durchschnittlichen Lebenserwartung von 4 bis 5 Jahren), wobei die jüngsten Würfe von unserem Protokoll nicht erfaßt wurden (vgl. oben). Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, daß die Gesamtzahl der jährlich erfaßten Tiere stagniert , d.h. auch unter den zuletzt relativ günstigen natürlichen Bedingungen frühere Höchstwerte (zum Vergleich: 213 Exemplare im Jahr 2000) nicht erreicht. Der Bestand in der Ursprungsregion ist tendenziell bedroht.

Die Fellfarben und -zeichnungen bewegen sich in dem seit jeher anzutreffenden Spektrum, wobei wie gewohnte Anteilsverschiebungen zu beobachten sind und Rot diesmal die absolute Mehrheit darstellt (2006 = 34, 2003 = 50 Prozent). Den nächstgrößer Anteil hat Sandfarben (2006 = 37, 2003 = 30 Prozent); die Stromung liegt niedriger als in den Vorjahren (damals 12 bzw. 11 Prozent). Blessen wurden verstärkt registriert (2006 = 22, 2003 = 14 Prozent), Halskrausen und Nackenflecke zeigen keine spezifischen Entwicklungstendenzen (2006 = 9 bzw. 7, 2003 = 28 bzw. 13 Prozent).

Die jährlich zu beobachtenden Verschiebungen bei den einzelnen Prozentwerten dürften neben den
Veränderungen innerhalb der Expeditionsrouten und der nomadischen Mobilität - also dem Fehlen örtlich stabiler Vergleichsgruppen – angesichts der kurzen Lebenserwartung der Hunde zu einem Teil auf die schnelle Abfolge der Vererbergenerationen zurückzuführen sein, also zum Beispiel auf den raschen Wechsel der jeweils dominierenden Deckrüden in einem familiären oder örtlichen Verband.

Insgesamt beweisen die Farb- und Zeichnungsbefunde ein weiteres Mal die natürliche Varietät innerhalb der Ursprungspopulation.




Aufgrund der vom Deutschen Windhundzucht- und Rennverband vor kurzem eingeführten Regelung, ausgedehntere Weißzeichnung an Hals, Brust und Bauch als zuchtwertmindernd zu betrachten, wurde erstmals eine entsprechende Rubrik in das Beobachtungsprotokoll aufgenommen. Der Anteil von 25 Prozent in der Population des Ursprungsgebiets belegt ebenso wie alle übrigen Erhebungen der zurückliegenden anderthalb Jahrzehnte, daß die Farb- und Zeichnungsvorschriften des in Europa erstellten FCI-Standards unkundig bzw. willkürlich sind.



Selbstverständlich unterscheiden sich innerhalb der reinerbigen Landrasse des Ursprungsgebiets die Exemplare durch qualitative Merkmale. Der für die dortigen Züchter und Halter zweifellos ausschlaggebende Gebrauchswert des einzelnen Tieres (so etwa die Funktion als Herdenschutz- und Lagerhund, Sozialverhalten oder jagdliche Eigenschaften) kann unter Expeditionsbedingungen höchstens im Einzelfall verläßlich erfragt werden. Details wie Farbe oder Zeichnung genießen bei den diversen Stämmen der Kel Tamaschek ganz unterschiedliche und oft gegenteilige Wertschätzungen, die sich von den jeweiligen Familienüberlieferungen (und häufig von abergläubischen Rückschlüssen auf den Charakter des Tieres, so bei der Fellfarbe Schwarz) herleiten. Für die Eingruppierung von hochtypisch bis wenig typvoll benutzen die Beobachtungsprotokolle deshalb die der Rasse insgesamt eigene anatomische Erscheinung (Format), wie sie auch im FCI-Standard richtig wiedergegeben ist. Auf diese Weise wird zudem die Möglichkeit eines Vergleichs mit dem außerafrikanischen Bestand in Anlehnung an die hiesige Bewertungsskala (V / SG / G) hergestellt.


Exkurs: Die Bewertung hochtypisch mit 76 Prozent entspricht ziemlich genau den 79 Prozent, die 2006 (unter Abzug der deutlich geringeren Einstufungen in den damals im Niger durchfahrenen dörflichen Siedlungen der Haussa) an Hunde in nomadischem Besitz vergeben worden sind. Für eine Reflexion des im Vorjahr in der Region Niger mit einem dortigen Haussa-Anteil von 29 Prozent erfaßten Anteil von lediglich 27 Prozent hochtypischen Hunden, die das Gesamtergebnis für 2006 auf 53 Prozent verringert hatten, wurden die regionalen Werte unter dem ethnischen Aspekt näher in den Blick genommen. Für Niger ergibt sich 2007 ein Anteil von knapp 74 Prozent, wobei die nomadischen Halter mit 87 Prozent diesmal die ganz überwiegende Mehrheit darstellen und die Haussa-Ethnie als Teil des kleinen Sektors „Andere“ auftaucht. Für Mali ergibt sich ein Anteil von gut 66 Prozent unter der Zuordnung von mindestens 83 Prozent an Tuareg und Peul.



Bezogen auf die Staatsgrenzen, die für die Hirtenstämme ja keine Rolle spielen, sind diese Angaben ohne kynologische Relevanz. Auch der jeweilige Anteil der angetroffenen nomadischen Ethnien Tuareg und Peul ist aufgrund ihrer Mobilität nicht viel mehr als die Momentaufnahmen entlang einer stichprobenartigen Expeditionsroute von nur wenigen Wochen. Signifikant mag jedoch die 2006 festgestellte graduelle Unterschiedlichkeit des phänotypischen Qualitätsbefunds innerhalb der nomadischen Hirtenkultur und bei den dörflichen Haussa sein. Letztere haben ihre Hunde zweifellos dem Azawakh-Bestand der Tuareg und Peul entnommen. Wahrscheinlich ist jedoch, daß das Fehlen des Traditionswissens der Nomaden bei der Wurfselektion, die geringe Leistungsauslese und die Nachteile der Eng- und Inzuchtvermehrung unter den „Haushunden“ eines Dorfes das Erklärungsmuster für den schwächeren Anteil anatomisch hochklassiger Exemplare darstellen kann. Ein ähnliches Beobachtungsergebnis hat 2005 die Erkundungstour in das Bergland des Air gezeitigt. Es konnte dort allerdings nicht mit der ethnischen Struktur in Verbindung gebracht werden (es handelte sich fast ausschließlich um eine Fraktion der Tuareg), sondern mit der langfristigen Anpassung an die speziellen topographischen, klimatischen und ökonomischen Umweltbedingungen und den entsprechenden Veränderungen bei den Arbeitsaufgaben der Hunde in diesem „Isolat“. Ähnliches habe ich bei früheren Reisen durch den Ahaggar feststellen können.

Das Expeditionsprotokoll 2007 bekräftigt die bisherigen Schlußfolgerungen unserer langjährigen Feldforschung:

Der Azawakh der Ursprungsregion hat seine ursprüngliche Erscheinung und Natur als Gebrauchshund aller nomadischen Hirtenstämme im Sahel bewahrt. Seine Zuordnung an bestimmte Ethnien, Regionen oder gar an neuzeitliche Staatsgebiete ist sinnlos. Er ist überall dort als reinblütige Landrasse verbreitet, wo traditionelle Herdenwirtschaft auf der Grundlage der Transhumanz existiert. Er besitzt ein unverkennbares anatomisches Format, das ihn von anderen Windhundrassen und -schlägen des Kontinents trotz vermutlicher gemeinsamer Wurzeln unterscheidet. Eigenschaften wie Farbe oder Zeichnung weisen eine große Variationsbreite auf; ihre Wertschätzung durch die Nomaden ist - wie bei anderen dem Azawakh zugeordneten Vorstellungen - regional und sozial unterschiedlich.

Die statistischen Ergebnisse der von ABIS durchgeführten Langzeit-Beobachtungen sind in Bezug auf das Erscheinungsbild der Azawakhpopulation in der Herkunftsregion (Anatomie, Fellfarben und -zeichnungen und deren Anteile) im wesentlichen gleichbleibend. Aufgrund der wechselnden Beobachtungsgebiete, der Anzahl der erhobenen Samples und der weitgespannten Zeitschiene dürfen sie als repräsentativ gelten und bei weiterführenden Studien als gesichertes empirisches Material verwendet werden.

Wir können davon ausgehen, daß eine kurzfristige Fortführung dieser Erhebungen keine relevanten Abweichungen ergeben würde. Ins Auge zu fassen wären Kontrollbeobachtungen in längeren Zeitabständen, um etwaige Veränderungen des Gesamtbestands zu erkennen – hier vor allem im Bereich der regionalen Verteilung sowie und in Bezug auf die Lebensbedingungen der Halter. (W.R.)

Montag, Januar 23, 2012

Hundehimmel


J-Wurf of Silverdale mit 8 Wochen



Jasmin of Silverdale
17.04.1997 -  21.01.2012
(Kel Tarbanassen Firhoun - We Wille Cashra)

Sonntag, Januar 01, 2012

Vorsätze für das neue Jahr 2012

Jeder Mensch ist ein Künstler
Lass dich fallen.
Lerne Schnecken zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die “Ja” sagen
und verteile sie überall in deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen.
Schaukel so hoch du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen.
Verweigere “verantwortlich” zu sein. Tu es aus Liebe.
Mach viele Nickerchen.
Gib Geld weiter. Tu es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei.
Lache viel.
Bade im Mondlicht.
Träume wilde, phantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell dir vor, du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern.
Höre alten Leuten zu.
Öffne dich, tauche ein, sei frei.
Segne dich selbst.
Lass die Angst fallen.
Spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in dir.
Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken.
Werde nass.
Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.
Joseph Beuys