Der Silverdale-Blog

Der Silverdale-Blog wird im Lauf der Zeit neuere und ältere kynologische Beiträge über unsere Rasse anbieten oder auf Veröffentlichungen dieser Art aufmerksam machen. Wir muten unseren Besuchern also das Lesen und die interaktive Diskussion zu und wollen auch insofern unserem Anspruch, „elitär“ zu sein, gerecht werden

Sonntag, Dezember 11, 2011

Echte Azawakhs haben einen eigenen Kopf…

Das gilt nicht nur für ihre Verhaltensweisen, sondern auch für die spezielle Anatomie. Beides stößt oft auf mangelnde Kenntnisse





Der Azawakh-Standard hält die folgenden anatomischen Richtwerte fest: Körperlänge / Widerristhöhe = 9 : 10. Bei Hündinnen kann dieses Verhältnis leicht überschritten werden.
Brusttiefe / Widerristhöhe: etwa              4 : 10.
Fanglänge / Kopflänge:                             1 : 2
Schädelbreite / Kopflänge:                       4 : 10

Die Verhältniszahl Schädelbreite : Kopflänge mit 4 : 10 folgt den Roussel-Messungen an afrikastämmigen Azawakhs aus den 1970er Jahren. Ein 2009 von mir durchgeführtes Kontrollsample mit 4 Rüden und 6 Hündinnen aus der derzeitigen Importgeneration stimmt mit diesen vor vier Jahrzehnten erhobenen Werten überein.
Meßtabelle nach Francois Roussel, Contribution a l’etude des levriers du Sud Sahara, 1975:
Geschlecht Import Alter Größe:cm Schädelbreite:cm Kopflänge:cm Verhältnis: 4,0 : 10
Rüde Az.Imp.0         5        Ø 65          8,5                         21,5                   3,9 : 10
Rüde Az.Imp.0         3        Ø 65          7,5                          22                     3,4 : 10
Rüde Az.Imp.0         3        Ø 65           8                            22                     4,6 : 10
Rüde Az.Imp.0         1,5     Ø 65           9                            23                     3,9 : 10
Rüde Az.Imp.0         3        Ø 65           8,5                         22,5                  3,7 : 10
Rüde Az.Imp.0         2        Ø 65          11,5                        25                     4,6 : 10
Hündin Az.Imp.0     2        Ø 60           8,3                         20                     4,1 : 10
Hündin Az.Imp.0     ?        Ø 60           7,8                         20,5                  3,8 : 10
Hündin Az.Imp.0     2        Ø 60            8,3                        20,5                  4,0 : 10
Hündin Az.Imp.0     2        Ø 60            7,9                        21                     3,7 : 10
Hündin Az.Imp.0     3        Ø 60            8,2                        20,3                  4,0 : 10
Hündin Az.Imp.0     2        Ø 60            8,5                        22,2                  3,8 : 10

Meßergebnisse bei meinem Imp.-Sample von 2009:

Geschlecht Import  Alter  Größe  Schädelbreite Kopflänge   Verhältnis 4:10
Rüde  Az.Imp.1       9          67              11                25,5                      4,6 : 10
Rüde  Az.Imp.1    9             65              10                24                         4,1 : 10
Rüde  Az.Imp.1    4             70              10                24                         4,1 : 10
Rüde  Az.Imp.1    2             62              10                24                         4,1 : 10
Hündin Az.Imp.1    2          61              9,5               24,5                      4,1 : 10
Hündin Az.Imp.0   3           59               10               22,5                      4,1 : 10
Hündin Az.Imp.1   4           66               10               24                         4,1 : 10
Hündin Az.Imp.1   9           62               10               23                         4,2 : 10
Hündin Az.Imp.0  10          69               9,5              23                         4,1 : 10
Hündin Az.Imp.2  12          62               8,3              22                         3,7 : 10

In Show-Beurteilungen der oben untersuchten Hunde wurde in Abweichung von den gültigen und in ihrem Fall zutreffenden anatomischen Standardvorgaben der Schädel nicht selten als zu substanzvoll beschrieben. Grund hierfür sind persönliche Typ-Vorlieben einzelner Richter und die Gewöhnung an die das Ausstellungswesen dominierenden Exemplare aus europäischen Engzuchten. Diesen subjektiven Faktor hat schon Emil Hauck auf den Punkt gebracht: „Während die beim Hund vorkommenden Farben von den meisten Menschen kaum anders gewertet werden, als die gleichen Farben an anderen Tieren oder Gegenständen, spielt der Geschmack bei den Formen schon eine recht große Rolle. Hier stört oder fördert die Gewöhnung das Werturteil. Die Wirkung der Gewöhnung auszuschalten, ist sehr schwer und erfordert einen hohen Grad geistiger Entwicklung. Deshalb gibt es so wenig gute Allgemeinrichter, ja Richter überhaupt.“. Zur Problematik des Richterwesens hat Peter H. Sander einen klugen Aufsatz veröffentlicht http://www.arbeitskreis-azawakh.com/42001/42201.html
Richter haben ebenso wie der normale Hundeliebhaber das Anrecht auf persönlichen Geschmack. Wenn es jedoch darum geht, ursprüngliche körperliche Eigenschaften einer Hunderasse zu bewahren und schädliche Übertypisierungen zu vermeiden, erfordert die „geistige Entwicklung“ bei Richtern und Züchtern anatomisches Grundwissen. Daran scheint es oft zu mangeln.
http://www.arbeitskreis-azawakh.com/37202/40101.html).
In Bezug auf die im Standard enthaltenen Vorgaben der Schädeldimensionen äußert sich das häufig in der Unfähigkeit, zwischen Kopfbreite, Jochbogenbreite und Schädelbreite zu unterscheiden.
Ich benutze zur Demonstration das 2003 von ABIS in der Ursprungsregion asservierte Azawakh-Skelett .
Der Schädel in Aufsicht. Die Jochbogenbreite ohne Muskel- und Hautgewebe beträgt 10,7 cm.



Anatomisch korrekt bemisst sich die Schädelbreite an der Ausdehnung der Schädelkapsel einschließlich ihrer Gewebeschichten. Sie liegt bei einem durchschnittlichen Verhältnis zur Kopflänge von 4 zu 10 im Bereich von 8 bis 10 Zentimetern. Die häufig aus Unkenntnis herangezogene Jochbogenbreite führt in Bezug auf die Soll-Werte im Standard zu Fehlurteilen. Wenn die irrtümliche Korrelation von Jochbogenbreite und Kopflänge ein 4:10 – Ergebnis erbringt, handelt es sich um eine vom originären Typus abweichende Verengung der Schädelproportion, wie sie als dysfunktionale „Überfeinerung“ durch Engzucht beobachtet werden kann.

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