Der Silverdale-Blog

Der Silverdale-Blog wird im Lauf der Zeit neuere und ältere kynologische Beiträge über unsere Rasse anbieten oder auf Veröffentlichungen dieser Art aufmerksam machen. Wir muten unseren Besuchern also das Lesen und die interaktive Diskussion zu und wollen auch insofern unserem Anspruch, „elitär“ zu sein, gerecht werden

Samstag, November 19, 2011

Christoph Jung über Zuchtbedingungen



Christoph Jung, Initiator des "Dortmunder Appells", hat sich in einem Vortrag bei der jüngsten Zuchtverantwortlichentagung des VDH für eine Abkehr von Inzucht und Inzestzucht durch vier Sofortmaßnahmen eingesetzt. Mehr bei http://www.petwatch.blogspot.com/.
>1.Ein generelles Verbot von Inzestzucht. Ein solches Verbot sollte auch für das Ausstellen von Abkömmlingen solchen züchterischen Fehlhandelns gelten....
2.Eine generelle Deckbeschränkung für Rüden. Die quasi uferlose Verwendung einzelner Champion-Rüden (Matador, Popular Sires) bei manchen Hunderassen ist nicht nur ein Katalysator der genetischen Verarmung einer Population. Sie ist zudem eine der Hauptursachen für die, ja man muss sagen, Verseuchung ganzer Populationen mit Gendefekten.
3.Analog müssen solche Beschränkungen für die künstliche Besamung gelten. Die Reproduktionsmedizin ist heute auf dem besten Wege zu einem weiteren Katalysator von Inzucht zu degenerieren. Künstliche Besamung muss zudem strikt verboten sein, wenn sie als Ersatz für verloren gegangene Deckfähigkeit dienen soll.
4.Mindeststandards für den Ahnenverlust sollten eingeführt werden. Schon eine so einfache Regel, wie dass kein Ahne im Stammbaum doppelt vorkommen solle, würde bei vielen Begleithunde-Populationen einen Fortschritt bedeuten.
Das sind Forderungen zur sofortigen Bekämpfung der schlimmsten Auswüchse in der heutigen Rassehundezucht. Natürlich ersetzen solche Maßnahmen keineswegs konkrete Programme zur Verbesserung der Populationsgenetik einer Hunderasse.
... Aus Sicht der Gesundheit der unmittelbaren Nachkommen oder aus Sicht der Gesundheit der Population gibt es keinen einzigen Grund, Inzestzucht zu betreiben. Solche Zuchtmaßnahmen dienen in aller Regel lediglich der Produktion genormter Welpen für den Markt und das Show-Biz... Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass 10% mehr Inzucht den Verlust von 1 Jahr Lebenserwartung bedeutet. Hunde mit heterogener Genausstattung haben im Durchschnitt eine längere Lebenserwartung als ingezüchtete.
Und dieses Thema der Inzestzucht ist leider immer noch akut - trotz aller vollkommen eindeutigen Warnungen aus der Wissenschaft... Es gibt sogar Züchter, die die Mär verbreiten, per konsequenter Inzucht könne man eine Rasse von Gendefekten befreien. Das ist eine abenteuerliche Behauptung, die jeder wissenschaftlichen Erkenntnis widerspricht. Zwar kann man bestimmte, bekannte Gendefekt ausmerzen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass komplexe Gendefekte zusammenkommen, erhöht sich zugleich. Eine ingezüchtete Population verliert tendenziell ihre Überlebensfähigkeit und Widerstandkraft gegenüber Störungen aller Art.

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